Buddhisten sind emotional totale Überflieger!

Buddhisten sind emotional totale Überflieger!

Buddhisten sind alle superachtsam, geduldig, ausgeglichen und gleichmütig. Sie haben friedliche Augen, sprechen ruhig, trinken nie und werden nie wütend oder impulsiv. Meist findet man sie in tiefer Meditation dreißig Zentimeter über einem Kissen schwebend.

Das ist natürlich totaler Quatsch und völlig überspitzt und gelogen. Dennoch scheint es irgendeine Art von Erwartungshaltung gegenüber Menschen zu geben, die sich als Buddhisten bezeichnen.

Wenn sie nicht gerade meinen Blog gelesen haben, wissen die meisten Menschen nicht, dass ich Buddhist bin. Einige wenige in der Familie, einige Arbeitskollegen, die einen schon lange Jahre begleiten, und enge Freunde.

Hier und da, wenn es in den Rahmen eines Gesprächs passt, gibt man die Information vielleicht mal preis, was aber sehr selten vorkommt. Doch gerade in diesen Situationen passiert dann manchmal Überraschendes.

Vielleicht handelt es sich gerade um eine hitzige Diskussion, in der man energisch einen Standpunkt vertritt. Vielleicht hat man auch gerade aus irgendeinem Grund falsche Worte gewählt. Sowas soll vorkommen.

Als Buddhist solltest du aber ruhiger sein!

Dann bekommt man schonmal Sätze zu hören wie „Als Buddhist solltest du aber ruhiger/ausgeglichener/weniger impulsiv/gleichmütiger etc. pp. sein“. Muss ich das, weil ich Buddhist bin?

Nun, zuerst einmal bin ich Mensch mit Ecken, Kanten und Fehlern wie jeder andere auch. Und mit Emotionen, Meinungen und Standpunkten wie jeder andere auch.

Ich bin nicht anders und nicht in irgendeiner Weise beherrschter, nur weil ich Buddhist bin. Es gibt überaus viele Nicht-Buddhisten, die beherrschter sind als ich. Doch irgendwie scheint das so ein Nimbus zu sein, der Buddhisten anhängt und mit dem man hier und da durchaus konfrontiert wird.

Aber wer oder was ist denn ein Buddhist? Oder genauer: Ein buddhistischer Laie? Denn die wenigsten in Deutschland sind schließlich ordiniert, sondern führen ein ganz normales Leben.

Ganz einfach gesagt ist ein Buddhist jemand, der sich zu Buddha als seinen Lehrer bekennt und sich redlich bemüht, dem Dharma-Weg zu folgen. Genau so wie andere an Gott glauben und sich bemühen, sich an die Zehn Gebote zu halten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Es stimmt zwar, dass ein Buddha, also ein vollkommen Erwachter, hundertprozentig gleichmütig, friedlich und freundlich zu allen Wesen ist und keine Standpunkte mehr vertritt.

Buddhisten sind keine Buddhas

Aber da reden wir von einem vollkommen Erwachten, einer extremst seltenen Erscheinungsform. Und wir können bedenkenlos davon ausgehen, dass es in Deutschland zwar eine ganze Menge Buddhisten gibt, aber mit höchster Wahrscheinlichkeit keinen Erwachten.

Selbst die buddhistischen Mönche, die ihr Leben dem Dharma vollends widmen, sind nicht automatisch bessere Menschen. Szenen, bei denen sie in Myanmar Muslime jagen oder in der First Class von Etihad Whisky trinken, machen deutlich, dass die Mehrheit der Nicht-Buddhisten wahrscheinlich erleuchteter ist als diese Mönche.

Seien Sie also nachsichtig mit uns Buddhisten, wenn wir gerade mal nicht friedlich und nett sind. Denn die meisten von uns sind von der Erleuchtung noch mächtig weit entfernt und befinden sich irgendwo auf dem schwierigen Pfad des Dharma – mit menschlichen Emotionen und Fehlern kämpfend wie jeder andere auch.

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