Downshifting: Mit diesen 4 Tipps erleiden Sie keinen Schiffbruch

Downshifting: Mit diesen 4 Tipps erleiden Sie keinen Schiffbruch

2012 hatte ich ein einjähriges Sabbatical bis ins Detail geplant, um mich in einem „philanthropischen Berufsfeld“ zu probieren und gegebenenfalls nicht mehr in meinen alten Job zurückzukehren. Doch es kam ganz anders, mein Plan zum Downshifting scheiterte.

Auch ich wollte „was mit Menschen machen“, wohl wissend, dass ich dafür auf große Teile meines bisherigen Gehalts in Zukunft verzichten müsste. Das alles hatte ich mir ganz genau überlegt, die Finanzen sortiert und mich entsprechend beworben. Der Plan in Zukunft meinen Lebensunterhalt mit der Hilfe am Nächsten zu verbinden, stand fest.

Bei einem privaten sozialen Träger verpflichtete ich mich für ein Jahr, um Hartz IV-Empfänger über 50 in neue Jobs zu vermitteln. Das war genau das was ich gesucht hatte. Alles war perfekt, mein Excel-Finanzplan sagte mir, dass der Lebensunterhalt gesichert ist und ich ging voller Elan in diese neue Herausforderung.

Dass der Job nicht hielt was er versprach und am Ende nur drei statt zwölf Monate dauerte, werde ich in einem anderen Artikel vertiefen. Jetzt möchte ich darauf eingehen welche Stolperfallen es bei einem Downshifitng in einen deutlich schlechter bezahlten Job zu berücksichtigen gilt.

1. Status und Geld bedeuten uns vielleicht mehr als wir wahrhaben wollen

Man sollte absolut nicht unterschätzen, was einem diese Dinge bedeuten. Ich dachte ich sei gut vorbereitet, wäre über Statusgedanken längst hinweg, und hatte uns als Familie mit zwei Kindern in die Lage versetzt, mit recht wenig Geld auszukommen.

In Wahrheit aber kam in der “Vorbereitungszeit” natürlich noch jeden Monat ein sehr ansehnliches Gehalt rein. Auch wenn wir nicht mehr so viel zum Leben brauchten, war der emotionale Unterschied in dem Moment, als tatsächlich ein kleines Gehalt auf dem Konto einging, gewaltig.

Denn machen wir uns bei aller Downshifting-Romantik nichts vor: Wenig Geld zu haben ist nicht schön. Es nagt am provisionsverwöhnten Ego, wenn die Kontoauszüge plötzlich mager ausfallen und man fragt sich wohin das führt, wenn man den Plan noch weiter in die Zukunft projiziert.

Und auch wenn ich Statussymbole wie große Firmenwagen schon lange losgelassen hatte, war das Gefühl jetzt ein Geringverdiener zu sein, schwieriger zu verkraften als ich dachte. Es ist erstaunlich wie viel Selbstwertgefühl wir aus einem guten Gehalt beziehen. Unterschätzen Sie das nicht!

Prüfen Sie also unbedingt ganz intensiv, wie wichtig Ihnen Status und Geld wirklich sind, bevor Sie eins davon oder beides zum Teil aufgeben. Seien Sie dabei unbedingt ehrlich zu sich und legen Sie in diesem Moment mal allen Idealismus und jede Philanthropie beiseite.

Soll das Downshifting von Dauer sein, müssen Sie Ihren Finanzplan außerdem weiter in die Zukunft projizieren, denn er muss auch auf lange Sicht Ihren Lebensunterhalt sicherstellen können. Wenn Sie für einen Einstieg eine gewisse Zeit mit sehr wenig Gehalt überbrücken können, dann ist das ok, das ist dann eine Art von Investition in die Zukunft.

Für die Zeit danach, in der Sie wieder mehr Geld verdienen wollen oder müssen, brauchen Sie aber auch einen Plan. Auch wenn langfristige Prognosen immer auf wackeligen Beinen stehen, sollten Sie zumindest eine grobe Vorstellung oder ein paar Ideen dafür im Kopf haben, wie es weitergehen soll.

Haben Sie die nicht, werden Sie sehr schnell Zukunfts- und Existenzängste plagen, erst recht, wenn Sie eine Familie zu ernähren haben. Sie dürfen mir glauben, dass einen das sehr schlecht schlafen lässt.

2. Achtung Selbsttäuschung: Hinterfragen Sie Ihre Motive für das Downshifting!

Bevor Sie Ihr Downshifting umsetzen, hinterfragen Sie unbedingt intensiv Ihre Motive! Fragen Sie auch nach Fremdeinschätzungen. Konsultieren Sie einen guten Freund, der Sie seit Jahren kennt, oder einen Coach.

Man selbst stellt sich nämlich gerne nur die Fragen, deren Antworten man auch hören will und das bewahrt leider nicht vor Schaden. Meine Antworten auf diese Fragen waren am Ende immer gleich: „Ja, ich will lieber wenig verdienen und dafür Erfüllung finden, indem ich Menschen helfe.“

Doch die Realität ist niemals so romantisch und philantropisch wie unsere Vorstellung. Es gibt Menschen, die wollen sich nicht helfen lassen. Es gibt Situationen, in denen Sie helfen wollen, es aber nicht können. Es gibt sehr undankbare Menschen und sogar solche, die Sie belügen und betrügen werden.

Wenn Sie mit zu viel Idealismus antreten, können Sie sehr schnell tief fallen. Das hilft dann niemandem, weder den Menschen, noch Ihnen. Ich machte diese Erfahrung, obwohl ich schon seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Weissen Ring arbeite und solche Situationen durchaus schon vorher kannte.

Es ist aber ein großer Unterschied, ob Sie damit Ihren Lebensunterhalt verdienen oder Sie das lediglich für ein paar Stunden im Monat ehrenamtlich machen. Von Letzterem hängen nicht meine persönlichen Finanzen ab, da kann man vieles gelassener sehen.

Konfrontieren Sie sich deshalb unbedingt mit Ihren Motiven für das Downshifting. Stellen Sie sich die folgenden Fragen:

  • Möchte ich einfach weniger arbeiten, um mehr Zeit für andere Dinge im Leben zu haben?
  • Möchte ich entschleunigen und weniger Verantwortung tragen?
  • Möchte ich Idealen folgen und z.B. Menschen helfen, weil ich glaube, dass mich das mehr erfüllt?
  • Soll es vorübergehend sein, z.B. im Rahmen eines Sabbaticals, oder möchte ich meine Richtung dauerhaft verändern?

3. Beachten Sie die Rahmenbedingungen

Warnung an alle Vertriebler unter uns: Wer jahrelang wie ein Selbständiger im Unternehmen gearbeitet hat, sollte nicht erwarten, dass er plötzlich Geschmack an Stechuhren findet.

15 Jahre war ich “on the road”, zu großen Teilen der Herr über meinen Kalender. Selbst Arbeitswochen mit 60 Stunden fallen einem nicht so auf, wenn man sich selbst managen darf und die Freiheit hat, Dinge nach eigenem Gusto zu organisieren.

Und dann saß ich da an diesem Schreibtisch, festgenagelt, in der Schublade einen Stundenzettel. “Möchtest du wirklich Mittagessen gehen? Das machen wir hier in der Regel anders…”. Na super.

Ich fühlte mich wie ein Tiger im Käfig, eingesperrt, meiner Eigenverantwortung beraubt. Nicht falsch verstehen, man war nett zu mir, aber die Bedingungen waren halt so und das löste genau diese Gefühle in mir aus, ohne dass ich mich dagegen hätte wehren können.

Vergleichen Sie also unbedingt die Arbeitsbedingungen, die Sie gewohnt sind mit denen, die sie erwarten. Machen Sie sich die Unterschiede klar und fragen Sie sich, ob Sie damit dauerhaft leben können.

4. Machen Sie sich bewusst, dass Sie scheitern können

Nach drei Monaten stand ich da, um eine Erfahrung reicher, um viel Geld ärmer und mit einem völlig leeren Kopf – denn ich hatte den Job aufgegeben und keinen Plan B. Es ist gut, von seinen Plänen absolut überzeugt zu sein. Es ist aber gar nicht gut, keinen Plan B zu haben, wenn es doch schief geht.

In den Monaten danach ging ich durch eine seelische Hölle. Aussichtslosigkeit, Leben ohne Inhalt, Planlosigkeit, Depression. Das ist ein Gefühlsmix den keiner braucht. Der Grund dafür war vor allem, dass ich ein Scheitern kategorisch ausgeschlossen hatte und es mich somit völlig unvorbereitet traf.

Machen Sie sich nichts vor: Das Ganze kann scheitern und Sie können für eine gewisse Zeit mit leeren Händen dastehen. Machen Sie sich bewusst, dass Sie evtl. eine Alternative brauchen oder in Ihren alten Job zurückkehren müssen. Reißen Sie daher keine Brücken ab und spannen Sie ein Sicherheitsnetz, das Sie im Fall des Falles nochmal auffangen kann.

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