Entdecke das Ziel hinter dem Ziel und lass es los wenn es falsch ist

Entdecke das Ziel hinter dem Ziel und lass es los wenn es falsch ist

Ein falsches Ziel kann uns rastlos machen und wenn wir genau hinschauen, ist das augenscheinliche Ziel oft gar nicht das Ziel. Erst wenn wir unsere wahre Absicht kennen, können wir ein falsches Ziel loslassen und unsere Mitte wiederfinden.

Sich Ziele zu setzen ist grundsätzlich richtig. Ohne ein Ziel haben wir keine Richtung, dann ist jeder Weg der falsche. Man muss dabei aber zwischen förderlichen Zielen, und Zielen, die uns rastlos machen und deren Verfolgung unsere Lebensqualität mindert, unterscheiden.

Im Gegensatz zu spirituellen Zielen, die ungleich lohnenswerter sein können, erscheinen uns Anerkennung und materielle Sicherheit oder Freiheit als sehr viel realistischer und greifbarer. Wir tendieren daher stark zur Erreichung materieller Ziele und versprechen uns bei deren Erreichung dauerhafte Zufriedenheit.

Falsche Ziele können Energievampire sein

Dazu wenden wir eine Menge Lebensenergie auf und stellen förderliche Lebensbereiche wie Familie, Freunde und Hobbys zurück. Ziele können so zu wahren Energievampiren werden, vor allem wenn sich der Erfolg nicht so einstellt, wie wir uns das erhofft haben. Dann spüren wir einen schmerzhaften Mangel, obwohl es uns eigentlich gut geht.

Erreichen wir das Ziel tatsächlich, stellen wir oft schon nach kurzer Zeit fest, dass es uns nicht dauerhaft zufrieden macht. Der erhoffte makellose Zustand verliert den Glanz im Spiegel der Realität. Es besteht jetzt sogar die Gefahr, dass der Frust noch größer wird, denn nach all dem Kampf, haben wir immer noch nicht erreicht was wir wollten.

Aus der buddhistischen Sichtweise muss es zwangsläufig so kommen, wenn wir den falschen Zielen folgen. Denn ein Daseinsmerkmal im Buddhismus ist, dass alles der Veränderung und der Vergänglichkeit unterworfen ist. So lange wir also unser Glück an Vergänglichem festzumachen versuchen, werden wir keine dauerhafte Zufriedenheit erlangen.

Erkennen wir dieses Prinzip nicht, stecken wir uns das nächste Ziel in der Hoffnung, dass wir diesmal Zufriedenheit erlangen. Zu diesem Zeitpunkt merken wir oft schon nicht mehr, wie rastlos wir sind und wie das Leben an uns vorbeizieht. Stress, Burnout und sogar Depressionen können sich jetzt Bahn brechen.

Das Ziel hinter dem Ziel erkennen

Spätestens jetzt sollten wir unsere wahre Intention hinterfragen. Eine der wichtigsten Fragen, die im Coaching zu klären sind, ist deshalb das Ziel hinter dem Ziel. Nicht was will ich erreichen, sondern warum will ich das? Dazu einige Beispiele:

  • Will ich eine Führungsposition, weil ich wirklich glaube, dass mir Personalführung Spaß macht und ich gut darin bin, oder ist es vor allem der Status und die Anerkennung, die mich reizen?
  • Studiere ich Medizin, weil ich später Menschen helfen will, oder mache ich das, weil ich meine Eltern nicht enttäuschen will, die beide Ärzte sind?
  • Übernehme ich das Unternehmen meines Vaters, weil ich ebenso für das Unternehmen brenne wie er oder weil ich die Familienpflichten erfüllen will?
  • Möchte ich den nächsten Karriereschritt, weil ich glaube, dass dies für mich der zu meinen Fähigkeiten passende Job ist, oder sehe ich mich vorrangig im neuen Cabrio durch die Stadt fahren, den ich mir dann leisten kann?

Ich kann gar nicht genug betonen wie wichtig es ist, das Ziel hinter dem Ziel zu erkennen! Denn wenn unsere inneren Ziele nicht mit denen übereinstimmen, die wir tatsächlich verfolgen, kommen wir früher oder später in ziemlich unruhiges Fahrwasser.

Denn leider kommt es häufig vor, dass Menschen die Ziele anderer Menschen verfolgen, z.B. die der Eltern oder Mentoren. Oder aber das Ziel soll vorrangig einen ganz anderen Mangel ausgleichen, wie z.B. Anerkennung oder Status. Das augenscheinliche Ziel des Karriereaufstiegs ist dann nur Mittel zum Zweck.

So hilft uns der Status einer Führungsposition überhaupt nichts, wenn wir uns damit vollkommen übernommen haben. Auch das neue Cabrio wird seinen Glanz schnell verlieren, wenn wir die Herausforderungen des neuen Jobs unterschätzt haben. Und wir werden ganz sicher kein guter und glücklicher Arzt oder Unternehmer, wenn das nicht wirklich unser ureigener Wunsch ist.

Wenn Sie feststellen, dass Sie sich „abstrampeln“, sich in einer ständigen Unzufriedenheitsspirale befinden oder sogar schon unter Burnout leiden, stellen Sie sich zwei ganz wichtige Fragen:

  1. Welches sind die Ziele, die ich aktuell verfolge?
  2. Was sind die Ziele hinter diesen Zielen?

Oft ist es nicht einfach dabei wirklich ehrlich zu sich selbst zu sein, denn die Antwort kann das Potenzial haben, das Leben umzuwälzen. Vielleicht muss man tatsächlich den Beruf wechseln, das Studium abbrechen oder die Firma verkaufen.

Neueste Zahlen untermauern den Zusammenhang

Neueste Zahlen stützen einmal mehr den umgekehrt proportionalen Zusammenhang zwischen mehr Zufriedenheit und Streben nach Karrierezielen. Natürlich muss man immer beachten, dass Korrelation nicht immer auch Kausalität bedeuten muss – machen Sie sich einfach Ihr eigenes Bild:

Laut einer Befragung des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY aus März 2017 wünschen sich nur noch 38 Prozent der Männer ein wenig oder viel mehr Aufstiegsmöglichkeiten gegen über 58 Prozent im Jahr 2015. Dagegen sagen 2017 insgesamt 62 Prozent der Männer, dass sie zufrieden sind oder sie ein Aufstieg nicht interessiert. Im Jahr 2015 waren es nur 42 Prozent.

Infografik: Die Deutschen sind karrieremüde | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Bei den Frauen verhält es sich ähnlich. 2017 sind 69 Prozent von ihnen zufrieden oder nicht an einem Aufstieg interessiert gegenüber 51 Prozent im Jahr 2015. Ähnlich wie bei den Männern ist das Interesse an der Karriere mit insgesamt 31 Prozent im Jahr 2017 deutlich geringer als mit 49 Prozent im Jahr 2015.

Interessanterweise hat die Überschrift auf Statista eine negative Konnotation: „Die Deutschen sind karrieremüde“. Ich sehe das anders: Mehr Menschen haben entdeckt, dass es Wichtigeres als Geld und Karriere gibt. Aus meiner Sicht haben mehr Menschen falsche Ziele losgelassen und so ihre Mitte gefunden.

Und schließlich gilt doch auch für die Unternehmen, dass ein zufriedener Mitarbeiter produktiver ist als ein gestresster und getriebener Karrierist, der die Agenda der Firma nur so lange priorisiert, wie es seiner eigenen hilft. Ich halte das Ergebnis aus der o.a. Umfrage daher für ein in jeder Hinsicht positives.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

+ 80 = 90