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So Nutzt Du Die Kündigung Für Dein Persönliches Wachstum

So nutzt du die Kündigung für dein persönliches Wachstum

Zwei Mal erhielt ich die Kündigung. Innerhalb von zwei Jahren. Das macht einen fertig und man braucht einige Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen. Erfahre, wie ich die Kündigungen für meinen persönlichen Durchbruch nutzte.

Ich kenne dieses Gefühl, in einem einzigen Moment in ein Nichts zu fallen. Ausgestoßen und geringgeschätzt zu werden, obwohl man doch alles für diese „Drecksbude“ gegeben hat. Seine Lebenszeit, seine Nerven, einfach alles. Und dann das. Aus heiterem Himmel.

Man kann es zuerst nicht glauben, man will den Job zurück, ruft seinen Rechtsanwalt an und hofft, dass sich alles noch zum Guten wenden wird. Aber das wird es nicht. Raus ist raus, es hat keinen Sinn an was anderes zu glauben. Man kann jetzt nur noch eine Abfindung rausschlagen.

Wenn man verstanden hat, dass es kein Zurück mehr gibt, kommen diese Gedanken, was passieren würde, wenn man diesen und jenen Manager nachts allein im Park treffen würde. Das ist ok, man wird schon nicht zum Kriminellen. Die meisten jedenfalls nicht.

Kündigung ist Wut

Wut, Schmerzen, jede Linkedin-Nachricht vom Erfolg der Firma ist ein Schlag ins Gesicht. Es kotzt einen nur noch an. Man ist nicht mehr dabei und wird es nie mehr sein. Trauer. Leere. Angst.

Ende des Jahres. Saure-Gurken-Zeit. Die Abfindung ist da, die Stellenanzeigen sind rar. Es war doch so schön. Ich gehörte zum deutschen Gründungsteam, die Welt war spannend und bunt. Alles was ich unter „Linkedin Jobs“ lese klingt nur noch langweilig.

Ich kann diese Floskeln „fast-paced environment“, „dynamic team“ und „proven track record“ nicht mehr sehen. Headhunter rufen an, man vereinbart erste Skype Calls. Die Begeisterung bleibt aus. Die Folgetermine auch. Ist mit 42 schon Schluss?

Weihnachten. Die meisten Suizide geschehen an den Weihnachtsfeiertagen? Kein Wunder. Ätzend, depressiv. Man sitzt ja schon seit Wochen rum. Und jetzt sitzt man mit den Verwandten am Tisch und muss erzählen wie es einem geht. Beschissen. Fragt einfach nicht.

Neues Jahr, neues Glück. So langsam verschwindet die ein oder andere gute Erinnerung im Nebel. War ich denn da wirklich glücklich? Ich hab schon viel gemeckert. Ich war sogar ziemlich oft frustriert. Der Job war der härteste, den ich je hatte.

Kündigung ist Ernüchterung

Erste Termine. Man will mich noch. Mit 42 ist es doch noch nicht vorbei, das ist es dann erst mit 52. Die Termine laufen gut. Man will mich, aber ich will die nicht. Warum ist das nur so, frage ich mich?

Die Job Description ist immer gleich. 20 Jahre mache ich das jetzt. Zweifel kommen auf. Will ich das nochmal 20 Jahre? Sogar mehr als 20 Jahre? Eigentlich nicht. Eigentlich will ich doch nochmal was anderes machen. In der Mitte des Lebens. Familie, zwei Kinder, zwei Autos. Gute Idee.

Tatsächlich haben mich nur meine guten Kollegen immer bei Laune gehalten. Die Firma ging mir in Wahrheit auf den Sack. Vollkommen schwachsinnige Business Reviews, in denen mir Engländer, die noch nie in Deutschland Business gemacht haben, erklären wollten, wie hier der Hase läuft. Brauch ich nicht mehr.

Was war eigentlich überhaupt gut außer den Kollegen? Früher flog ich gerne in die USA und ließ mich tagelang brainwashen. Aber auch das war irgendwie vorbei. Immer alles eine „amazing lifetime opportunity“ und dann gab´s Cocktails und Chicken Wings. Awesome.

Immer unterwegs sein hat mich ausgelaugt. Santa Clara, Wien, Zürich, London. Die Lufthansa Lounge war mein Wohnzimmer. Den Leberkäse in München mochte ich immer. Oder schmeckte er nur so gut, weil er über einen beschissenen Tag hinwegtäuschte?

Mehr Termine, Job-Angebote erscheinen am Horizont. Variable Gehaltsanteile und Firmenwagen müssen noch verhandelt werden. Doch die Begeisterung kommt nicht. Ich will gar keinen Firmenwagen mehr. Ich will auch keine Lufthansa Lounge mehr.

Kündigung ist Vergebung

Es wird immer klarer, ich will das alles nicht mehr. Ich wollte es in Wahrheit auch schon vor der Kündigung nicht mehr. Das lag sicher daran, dass es so ein Power-Startup war. Ich brauche was Bodenständiges. Bis zur Rente. So ist das. Redete ich mir ein.

Vertrag ist unterschrieben. Magengrummeln. Dabei ist nichts falsch an dem Vertrag, es ist ein guter Vertrag. Verwirrung. Aber auch durchatmen, jetzt kann man wieder nach vorne schauen, weil da wieder eine Zukunft ist. Man ist wieder dabei.

Fast ein Jahr ist die Kündigung her. Die alte Firma ist irgendwo im Nebel der Vergangenheit. Die Bindung ist weg, von ein paar Kollegen abgesehen. Den Managern habe ich vergeben.

Vergebung heißt, die Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit aufzugeben (Lily Tomlin). Nicht vergeben heißt, jeden Tag aufs Neue gekündigt zu werden. Das will ich nicht. Das gibt den anderen die Macht über mich. Das ist verrückt.

Neue Firma. „Different logo, same shit“ würden meine englischen Ex-Kollegen sicher sagen. Es stimmt. Ich bin da, aber nicht mit dem Kopf. Der ist woanders und wundert sich, warum man schon wieder alles blöd findet.

Kündigung ist Einsicht

Es geht nicht. Ich habe keinen Spaß. Was ist mit mir los? Nach fünf Monaten ruft mein Chef an. Nach der Probezeit geht es nicht weiter, sagt er. Das ist ok, sage ich. Er wundert sich, macht sich Sorgen. Er ist einer von den Guten. Nein, ich bin nicht verrückt. Alles ist gut. Komisch.

Spätestens wenn man zwei Mal gekündigt wird, weiß man, dass man die Gründe bei sich selbst suchen muss. Nicht die Firma ist doof, man selbst läuft nicht rund. Da passt was nicht und man tut gut daran, herauszufinden was es ist.

Mein Glaube daran, dass man sich fast alle Umstände selbst schafft, ist unumstößlich. Wie oft habe ich im Kopf eigentlich gekündigt? Ist es ein Wunder, dass es irgendwann Realität wird? Ist es nicht.

Wäre ich der Top-Performer gewesen, hätte ich nicht gehen müssen. Warum war ich nicht der Top-Performer? Weil man der nur sein kann, wenn man das tut, was man liebt. Ich tat nicht was ich liebe. Nach zwei Kündigungen sieht man das ein. Muss man.

Kündigung ist Stärke

Alte Ängste haben mich immer davon abgehalten meinen Weg zu gehen. Ängste aus meiner Herkunft, meiner Vergangenheit. Vielleicht braucht es die schallenden Ohrfeigen im Leben, um auszubrechen. Diese Ohrfeigen tun weh, aber sie sollen uns was sagen. Ganz sicher.

Mein Glaube, dass man Geld damit verdient, wenn man konsequent und beharrlich das tut was man liebt, ist ebenso unumstößlich. Auch wenn man diese Türen jetzt noch gar nicht kennt, werden sie sich öffnen. Deswegen tu ich jetzt was ich liebe. Die Ängste verschwinden, ich fühle mich mental stärker als je zuvor.

Wenn du gekündigt wirst und liebst was du tust, musst du keine Angst haben. Denn Firmen suchen immer Menschen, die lieben was sie tun. Denn das sind die Top-Performer. Du wirst wieder Arbeit finden.

Wenn du gekündigt wirst und du liebst nicht was du tust, dann nutze die Krise. Finde heraus, was du liebst und tu es! Überwinde deine Ängste und du kannst dir sicher sein, dass es immer einen Weg gibt. Auch in der Mitte des Lebens. Auch mit Familie.

Hinter der Angst liegt die Freiheit.

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