Neid lohnt sich nicht: 8 gute Tipps wie Sie ihn loswerden

Neid lohnt sich nicht: 8 gute Tipps wie Sie ihn loswerden

Neid ist eine besonders schädliche Emotion von der sich kaum ein Mensch wirklich freisprechen kann. Ich erkläre, warum sich Neid nicht lohnt und wie Sie leicht aufhören können neidisch zu sein.

Neid empfinde ich als ein besonders negatives Gefühl, denn im schlimmsten Fall hat es nicht nur destruktive Auswirkungen auf uns selbst, sondern auch auf denjenigen, auf den wir neidisch sind. Das findet dann u.a. Ausdruck in brennenden Autos nachts in Berlin.

Neid ist auch Anhaftung, auf die ich in diesem Artikel näher eingehe. Neid ist die Angst, an etwas Erstrebenswertem nicht teilhaben zu können, vom großen Glück nichts abzubekommen. Der Neid ist eng verwandt mit der Eifersucht, die in uns die Angst schürt, etwas Begehrtes an jemand anderen zu verlieren.

Aus Neid enstehen schnell weitere negative Emotionen wie Rivalität oder fehlgeleiteter Ehrgeiz, die in moralisch fragwürdigem Verhalten münden können und am Ende andere und uns selbst schwer schaden können.

Warum sich Neid nicht lohnt

Natürlich war auch ich in meinem Leben öfter mal neidisch, habe aber vor allem im beruflichen Bereich früh gelernt auf Menschen zuzugehen, die in meinen Augen beneideneswert waren, und habe sie einfach gefragt, wie sie diesen Erfolg erreicht haben, anstatt einfach weiter neidisch zu sein.

Nie wurde ich abgewiesen, denn diese Menschen sind meist froh, dass sie nicht argwöhnisch beäugt werden, sondern sich jemand ernsthaft für deren Weg interessiert. Und all diese Wege, die mir erzählt wurden, brachten mir eine wertvolle Erkenntnis: Alles Beneidenswerte hat seinen Preis – teilweise einen sehr hohen.

Sei es Geld, Erfolg, Reife oder Weisheit – bis auf die Erbschaft oder den Lottogewinn kommt nichts davon einfach zu einem und nichts davon ist reines Glück. Geld und Erfolg bedeuten in der Regel harte Arbeit. Reife und Weisheit gehen oft mit Tiefschlägen, Misserfolgen und harten Erfahrungen einher. Nichts bekommt man umsonst, das Yin kommt nie ohne das Yang.

Die allermeisten Menschen, die jemanden beneiden, machen sich kaum bewusst, dass sie niemals bereit wären, den Preis für das, was sie anderen neiden, zu bezahlen. Sie sind weiter in ihrem Neid gefangen, weil sie eben diesen Preis gar nicht kennen – das ist vertane Lebenszeit.

Anstatt neidisch zu sein, sollten Sie in Erfahrung bringen was zur Erreichung dieses Ziels nötig ist und sich dann fragen, ob Sie bereit wären diesen Weg zu gehen. Bin ich bereit 60 Stunden in der Woche und am Wochenende zu arbeiten? Bin ich bereit meine Komfortzone zu verlassen und die geforderte Verwantwortung zu übernehmen? Könnte ich das kognitiv, mental und emotional überhaupt leisten?

Viele beneiden andere z.B. um eine Führungsposition. Ich selbst war eine Führungskraft und ich möchte keine mehr sein: Die Verantwortung ist ebenso groß wie die Arbeitsbelastung. Man muss als Vorbild voranschreiten, steht sehr im Fokus und befindet sich oft in einer unangenehmen Position zwischen Team und Geschäftsführung. Am schlimmsten aber waren die Entlassungen, das möchte ich nicht noch einmal tun müssen.

Oder bedenken Sie die Nachteile von großem Wohlstand. Verinnerlichen Sie, dass viele Wohlhabende große Sorgen haben, sich und Ihre Familien zu beschützen – eben vor zu großen Neidern, die ihnen schaden oder sie vielleicht sogar erpressen wollen. Superreiche leben oft abgeschottet im Verborgenen und können ihren Reichtum manchmal gar nicht wirklich genießen.

Noch dazu schützt Geld nicht vor allen Problemen. Reichsein bringt wenig, wenn wir ein Kind verlieren oder unheilbar krank werden. Auch die ganz normalen Ängste und Probleme verschwinden nicht – auch Reiche müssen mal zum Zahnarzt. Wie sagt man so schön: Unter jedem Dach ein Ach. Unter jedem!

Der Fluch des abnehmenden Grenznutzens

Doch nicht nur ist der Preis für die vermeintlich beneidenswerten Dinge dieser Welt recht hoch, auch die Enttäuschung über den faden Geschmack des Erreichten kann uns überraschend schnell einholen.

Ich erreichte viel von dem was ich einst beneidenswert fand. Ein hohes Einkommen, tolle Autos und die Freiheit machen zu können was ich will. Doch das Glücksempfinden blieb nicht lange, denn die Spirale endet nie. Im Gegenteil, als ich am meisten hatte, stürzte ich am tiefsten – was ich in diesem Artikel genauer beleuchte.

Dafür sind zwei verschiedene Mechanismen verantwortlich. Der erste ist der abnehmende Grenznutzen. 3000 Euro statt 1.500 Euro netto zu verdienen, bringt noch einen enormen Gewinn an Lebensqualität und Zufriedenheit. 6.000 Euro statt 3.000 Euro zu verdienen ist auch nochmal ein ganzes Stück komfortabler.

Doch danach nimmt der Glücksgewinn selbst bei viel mehr Einkommen rapide ab. 6.000 Euro statt 3.000 Euro zu haben ist nicht mehr doppelt so toll. 30.000 Euro statt 3.000 Euro Monatseinkommen ist ganz sicher nicht mehr 30 Mal so schön und zufriedenstellend.

Wer zu wenig Geld zum Leben hat, wird kaum zufrieden sein, das ist verständlich. Aber anstatt die Zeit damit zu verbringen, diejenigen zu beneiden, die „zu viel“ davon haben, sollten wir besser daran arbeiten, einen Mittelweg zu finden, um das zu verdienen, was wir wirklich brauchen.

Jeder sollte dabei seinen eigenen „Break Even“ aus Aufwand, Verdienst und Zufriedenheit finden – sofern er das kann und nicht durch Schicksalsschläge, wie z.B. einer schweren Krankheit, daran gehindert wird.

Die hedonistische Anpassung gibt uns den Rest

Doch nicht nur der abnehmende Grenznutzen spuckt uns schnell in die Zufriedenheitssuppe. Erreichen wir, was wir einst beneidenswert fanden, empfinden wir es oft nach kurzer Zeit schon wieder als ganz selbstverständlich und überhaupt nicht mehr berauschend.

Diesen Effekt nennt man die „hedonistische Anpassung“. Egal wie viel wir haben, wir vergleichen immer mit dem nächsthöheren Status und wollen dann diesen erreichen. Da spart man vielleicht jahrelang auf einen 1er BMW und wenn man ihn hat, findet man ihn nach drei Monaten langweilig und träumt vom 5er BMW mit doppelt so starkem Motor.

Das Teuflische daran: Die hedonistische Anpassung schlägt auf jeder Ebene zu. Der Besitzer des Motorboots schielt auf die Yacht, der First Class-Flieger auf denjenigen mit dem Learjet. Ich habe selbst schon sehr wohlhabende Menschen kennen gelernt, die extrem davon getrieben waren, dass sie trotz vieler Millionen in ihren Kreisen noch ein „kleines Licht“ sind.

Wenn wir aus dieser Spirale nicht bewusst und aktiv aussteigen, werden wir, ganz unabhängig von dem was wir haben, niemals lange Glück empfinden. Denn vor allem alles Matrielle kann aufgrund seiner Vergänglichkeit und Anfälligkeit niemals ein dauerhafter Glücksquell sein.

Weil wir das aber annehmen, versuchen wir – oft unbewusst – ständig die Dosis zu steigern. Doch die Linderung tritt niemals ein, denn es handelt sich um eine Droge und nicht um ein Medikament.

Werbung und Facebook lassen uns mehr Neid empfinden

Die Welt der Medien macht es uns zudem nicht besonders einfach, dem Vergleichen und Neiden zu entrinnen. Die Werbung weckt Bedürfnisse, die wir nicht hatten und zeigt uns neben Sixpacks und Bikini-Figuren was unser Nachbar vielleicht morgen schon hat und wir noch nicht.

Noch schlimmer finde ich Facebook. Nicht nur, weil es natürlich auch von Werbung lebt, die ständig aufploppt, sondern weil es ein riesiges Lebensvergleichsportal ist: Wer gönnt sich den teuersten Urlaub, wer hat die besten Steaks auf dem teuersten Weber-Grill und wer die größte Gartenhütte?

Es gibt längst Untersuchungen, die belegen, dass wir nach dem Konsum von Facebook unzufriedener und neidischer sind – und wenn wir nur die eigne Pinnwand zu weit runtergescrollt sind, um festzustellen was für ein tolles Leben wir vor sieben Jahren hatten, als wir mit Sabine die Auszeit in Neuseeland genossen.

Und jetzt ist alles grau, Sabine hat einen anderen und Werner postet Fotos vom Strand auf den Seychellen…

Wir müssen Neid aktiv entgegentreten

Die gute Nachricht ist, dass wir nicht dazu verdammt sind, uns vom Neid den Tag vermiesen zu lassen. Damit Sie Ihm entgegentreten können, möchte ich die wichtigsten Tipps hier nochmal auflisten:

  1. Wenn Sie jemanden um etwas beneiden, fragen Sie sich zuerst was notwendig ist, um es zu bekommen. Gehen Sie dann in sich und finden Sie heraus, ob Sie bereit wären, diesen Weg auch zu gehen. Bleiben Sie dabei, dass das Ziel erstrebenswert ist, geben Sie sich nicht Ihrem Neid hin, sondern verwenden Sie Ihre Energie stattdessen bewusst, um den Weg zu gehen, der nötig ist.
  2. Denken Sie beim Aufkommen von Neid an die Nachteile, die mit dem Erreichen des Ziels verbunden wären. Wäre ich bereit den Preis zu zahlen? Lohnt sich der harte Weg in Anbetracht dieser Nachteile für mich überhaupt?
  3. Bedenken Sie den abnehmenden Grenznutzen! Wo liegt ihr persönlicher Break Even aus Aufwand, Verdienst und Zufriedenheit? Was brauchen Sie wirklich? 3000, 6000 oder vielleicht doch nur 2000 Euro Monatseinkommen? Vielleicht sind Sie mit viel weniger zufrieden als Sie denken.
  4. Achten Sie auf die hedonistische Anpassung: Ist die nächste Wiese wirklich grüner, die nächste Stufe wirklich besser? Haben wir das was wir heute haben, nicht auch irgendwann so begehrt? Und warum tun wir es jetzt nicht mehr? Können wir es wieder mit den Augen von damals betrachten?
  5. Ignorieren Sie Werbung und meiden Sie Facebook. Ernsthaft! Gehen Sie mal achtsam für eine halbe Stunde auf Facebook und achten Sie genau auf die Emotionen, die Sie dabei haben. Wenn Sie auch den leisesten Anflug von Neid oder Unzufriedenheit durch den „Lebensvergleich“ mit anderen spüren, gehen Sie raus aus Facebook. Vielleicht melden Sie sich ja sogar komplett ab.
  6. Ersetzen Sie Neid umgehend gegen ein anderes Gefühl. Wir Menschen können immer nur eine Emotion haben. Wenn wir Neid durch Dankbarkeit für das was wir haben ersetzen, können wir im gleichen Moment nicht mehr neidisch sein.
  7. Rufen Sie sich das buddhistische Daseinsmerkmal „Anicca“ ins Bewusstsein: Egal was Sie beneiden, es ist vergänglich, wird sich verändern, altern und irgendwann verfallen und nicht mehr existieren.
  8. Machen Sie sich die Glücksmomente in Ihrem eigenen Leben bewusst: Die Kinder, die einen nach der Dienstreise so fest umarmen. Die Hunde, die ausgelassen im Garten toben. Das Glas Wein mit dem Lebenspartner an einem lauen Sommerabend. Das alles kostet gar nichts und ist enorm „beneidenswert“.

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