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Tinnitus Heilen: So Schaffte Ich Es Mit Autosuggestion

Tinnitus heilen: So schaffte ich es mit Autosuggestion

Mein Tinnitus hat mich vor 17 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes fast umgebracht. Und obwohl die Ärzte keine Chance auf Heilung sahen, fand ich einen Weg.

Wir schreiben das Jahr 2002. Ich hatte einen sehr gut bezahlten Job, fuhr einen stattlichen Firmenwagen und hatte mir gerade eine Eigentumswohnung in bester Lage in Düsseldorf gekauft. Auf den ersten Blick schien alles in die richtige Richtung zu laufen.

Doch eines Nachts wachte ich plötzlich auf und hatte einen penetranten, leicht dröhnenden Ton im Ohr. Im ersten Moment dachte ich, dass irgendwo eine Maschine läuft, doch es wurde mir schnell klar, dass der Ton direkt aus meinem Ohr selbst kommt.

Ich mutmaßte, dass es vielleicht dieses „Blutdruck-Piepen“ sein könnte, doch das Geräusch war ganz anders, irgendwie dunkler – und ging es ging auch nicht mehr weg. Nach zwei oder drei Tagen wurde mir klar, dass sich dieses Thema leider nicht von selbst erledigen würde.

Nach einem kurzen Check in der Uni-Klinik war klar, dass keine physischen Schäden aus einem Knalltrauma o.ä. vorlagen. Ich bekam einen weiteren Termin für das Hörlabor – und auf dem Zettel stand die Diagnose: Tinnitus.

Tinnitus – sowas haben doch immer „die anderen“

Das war genau so eine Diagnose, die in meinen Augen immer „die anderen“ trifft. Ich war sehr niedergeschlagen, an Schlaf war mit diesem Ton kaum noch zu denken. Er war sogar lauter geworden, so dass ich ihn nicht nur in ganz ruhigen Umgebungen wahrnahm.

Ich versuchte zu arbeiten, doch ich konnte mich einfach nicht mehr konzentrieren. Ich war übermüdet, gereizt und meine Gedanken drehten sich nur darum, ob der Ton noch da ist – was ich ständig testete, indem ich mir die Ohren zuhielt.

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Zwischendurch nahm ich verschiedene Arzttermine wahr. Im Hörlabor konnte man sogar die Frequenz des Tons bestimmen, was technisch spannend, aber ansonsten wenig hilfreich ist.

Mein Hausarzt versuchte mir mit einer Mischung aus Infusionen und Akupunktur Hoffnung zu machen. Doch das einzige was wirklich half, waren laute Kneipenabende. Denn das Rauschen, das man danach für einen Tag im Ohr hat, maskierte den Tinnitus.

Schlafen ging irgendwann nur noch mit Wein und Schlaftabletten

Damit ich endlich wieder schlafen konnte, verschrieb mir mein Hausarzt Schlaftabletten, Zopiclon. Ich musste mich krank schreiben lassen, ans Arbeiten war nicht mehr zu denken. Ich war schlicht und einfach fertig.

Um irgendwie klarzukommen, schüttete ich mir abends Rotwein rein und nahm zum krönenden Abschluss eine von den Schlaftabletten, die wie ein leicht verzögerter Ausschalter wirkten.

Es waren nun drei oder vier Wochen ohne Besserung vergangen. Und es sollte noch schlimmer kommen, denn plötzlich hörte ich den Tinnitus sogar auf beiden Seiten. Es war ein einziger Albtraum, der mich zwang meine Krankschreibung immer weiter zu verlängern.

Existenzängste trieben mich um. Die hohe Belastung durch die Wohnung musste schließlich geschultert werden und wie sollte das alles weitergehen, wenn dieser Ton für immer bleibt?

Nach etwa acht Wochen hatte ich einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Ich konnte nicht mehr, ich hoffte nur noch auf den Abend mit Wein und Schlaftablette, um wenigstens für ein paar Stunden „nicht mehr existieren“ zu müssen.

Mein Hausarzt verschrieb mir daraufhin Anti-Depressiva und gab mir eine Überweisung für einen Psychotherapeuten. Bei Letzterem nahm ich drei Stunden in Anspruch, aber ich war mental so weit davon entfernt, mich überhaupt mit irgendwelchen Problemen auseinanderzusetzen, dass ich es danach sein ließ.

Ein seltsamer Effekt brachte die Erkenntnis

Die Anti-Depressiva hatten zig schwere Nebenwirkungen gegen die ich dann wiederum ein anderes Mittel bekam – genau so passiert es, dass man plötzlich eine kleine Schublade voller Pillen hat, die man mehrmals täglich nehmen soll.

Nach drei Wochen fingen die Antidepressiva tatsächlich an zu wirken. Es fühlte sich komisch an. Es war hell in meinem Kopf, obwohl sich meine Seele immer noch dunkel anfühlte.

Ich spürte, dass ich eigentlich Probleme habe, die ich mit meinem Kopf bearbeiten müsste, aber irgendwie kam ich nicht mehr an sie heran. In etwa so, als hätte ich meine Dämonen in den Keller gesperrt, hinter einem Schloss aus Serotonin. Sie sind aber nicht weg, sondern rütteln an den Stäben.

Dieser seltsame Zustand machte mir klar, was ich vorher nicht wahrhaben wollte: Dieser Tinnitus kam nicht aus dem Nichts oder von bloßem Stress, sondern weil ganz ernsthafte Dinge in meinem Leben in Schieflage waren – da gab es Dämonen, die besiegt werden mussten.

Antidepressiva sperren deine Dämonen nur in den Keller – mit einem Schloss aus Serotonin

Mehr als drei Monate waren nun vergangen und ich beschloss – entgegen dem Rat meines Arztes – alle Medikamente sofort abzusetzen. Ich wollte diese Wirkung nicht mehr, ich wollte meinen klaren Geist zurück, um mich dem Ursprung meiner Krise nähern zu können.

Die Ärzte brachten mir derweil behutsam bei, dass ich mit diesem Ton für immer leben müsste. Doch meine Erkenntnis, dass der Tinnitus einen klaren Grund haben muss, stärkte meine Überzeugung, dass er verschwinden würde, wenn dieser Grund beseitigt wäre.

Mein erster Schritt war, den Alkohol und die Kneipenbesuche wegzulassen, um den Geist wieder in einen brauchbaren Zustand zu versetzen. Von den Schlaftabletten kam ich noch eine ganze Weile nicht weg – weshalb ich hier dringend vor ihnen warnen möchte.

„Loslassen ist der Schlüssel zum Glück“ -Buddha

Es macht einem Angst so lange krank zu sein. Wie soll das werden? Wann kann man wieder arbeiten? Wie lange macht der Arbeitgeber das mit? Ich ließ all diese Gedanken los, denn mir war klar, dass an Arbeit sowieso nicht zu denken war, so lange ich diese Probleme nicht im Griff hatte.

Die Lösung des Problems musste die erste Priorität sein, alles andere war zweitrangig. Als erstes sah ich mir genau an, wie ein Ohr von innen aussieht und wo der Hörnerv verläuft. Ich wollte so genau wie möglich wissen, an welcher Stelle in meinem Kopf der Ton entsteht.

Dann folgte ich einfach einem Gefühl und obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas von Autosuggestion gehört hatte, legte ich mich auf eine Matte ins Wohnzimmer und ließ eine CD von Oliver Shanti laufen.

Man kann mich gerne für verrückt erklären, wenn das der Preis ist, den Tinnitus loszuwerden

Ich schloss die Augen, genoss die Überblendung des Tinnitus durch die Musik und ließ einfach die Bilder zu, die in meinem Geist entstanden. Dabei handelte es sich ausschließlich um Naturbilder, ein Wald, mal mit Regen, mal mit einem Berg, oft mit Tieren darin.

Die Bilder wirkten überaus beruhigend. Je mehr ich das zuließ, desto mehr hörte ich auf zu denken. Manchmal war da einfach nur noch dieses Bild und ein Gefühl, aber kein Gedanke mehr. Ich wurde deutlich ruhiger. Der Tinnitus veränderte sich aber nicht.

Ich beschloss daher, das Ohr mehr in den Fokus zu rücken und übertrug das beruhigende Gefühl der Bilder gezielt auf meinen Hörnerv. Ich stellte mir bildlich vor, wie sich eine der Pflanzen begann, sanft um meinen Hörnerv zu ranken und ihre heilende Wirkung zu entfalten.

Die Kraft der inneren Bilder

Dieses Bild ließ ich im Einklang mit der Musik entstehen. Dabei spürte ich immer mehr meinen Solarplexus und wie Kraft aus ihm zu kommen schien. Gedanklich führte ich diese Kraft direkt an meinen Hörnerv.

Man kann diese Energie spüren und man kann sie tatsächlich auch an jeden beliebigen Punkt im Körper oder im Geist führen, um dort zu wirken. Diese Technik benutze ich bis heute, um Problemen jeglicher Art auf den Grund zu gehen.

Ich machte diese Übung täglich über mehrere Stunden und es vergingen viele Tage, an denen sich an meinem Tinnitus nichts veränderte. Dennoch stresste mich der Ton nicht mehr so sehr, denn ich war sicher, auf dem richtigen Weg zu sein.

Auf diese Weise vergingen drei oder vier Wochen. Ich war mittlerweile ein Meister darin, die inneren Kräfte wirken zu lassen. Und dann geschah ein kleines Wunder: Der Tinnitus veränderte sich. Er war nicht mehr so dröhnend, er hatte kleine Unterbrechungen.

Derart ermutigt setzte ich die Übungen mit noch höherer Intensität und Dauer fort und schon nach sehr kurzer Zeit war der Tinnitus tatsächlich ganz verschwunden. Mein Geist hatte über die Prognose der Ärzte gesiegt.

Der Anfang eines langen Weges

Dieser Sieg war der Anfang eines Weges der Selbsterkenntnis, der noch einige Jahre dauern sollte. Durch die Autosuggestion wurde ich auf das Thema Meditation und dadurch wiederum auf den Buddhismus aufmerksam.

Ich beschäftigte mich über Jahre intensiv mit der buddhistischen Lehre und ihren Methoden und analysierte damit mein eigenes Leben. Denn auch wenn ich den Tinnitus besiegt hatte, merkte ich, dass das Hauptproblem noch nicht gelöst war.

Immer mehr wurde mir klar, dass ich beruflich auf einem völlig falschen Weg war, weit entfernt von meinen wahren Talenten und dem was mir ein Gefühl der Sinnerfüllung gibt.

Es wurde immer deutlicher, dass ich meinen Sales-Job nur machte, weil ich mit dem hohen Verdienst andere Defizite kompensieren wollte. Diese Einsicht war vor allem schmerzhaft, weil ich schon eine Familie zu versorgen hatte und nicht mehr einfach umschwenken konnte.

Doch auch das gelang mir, wenn auch erst nach einem Scheitern im ersten Versuch und einem „Nackenschlag“ aus der IT-Branche. Mit dem erlangten Wissen konnte ich eine mentale Stärke aufbauen, die mir ermöglichte, auch diesen schwierigen Ausstieg zu vollziehen.

Der Tinnitus als Freund und Helfer

Der Tinnitus wurde über die Jahre zu einem Freund. Immer wenn ich wieder vom Weg abkam, machte er sich sofort bemerkbar. Er ist der Seismograph in meinem Leben geworden, ein zuverlässiges Feedback-System, das mir anzeigt, ob ich gerade im Einklang mit mir selbst bin.

Solltest du unter einem Tinnitus leiden, möchte ich dir Mut machen, niemals aufzugeben, auch wenn die Ärzte schon das Wort „chronisch“ benutzen. Ich glaube fest daran, dass dir dein Tinnitus etwas sagen will und er verschwinden wird, wenn du auf ihn hörst – im wahrsten Sinne des Wortes.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Hallo Frank,

    Dein ehrlicher Bericht über Deinen Leidensweg hat mich sehr berührt.

    Auch ich habe schon seit Jahrzehnten einen – zum Glück nur leichten – Tinnitus im linken Ohr.
    Angefangen hat dieses Ohrensausen, als ich noch studiert habe. Damals empfand ich es nicht so, aber heute weiß ich: ich habe mir in dieser Zeit sehr viel zugemutet: Das Studium an sich, mein Job als Hilfskraft bei meinem Professor und zusätzlich noch mehrere Nachtschichten pro Monat in der Telefonhotline eines Internetproviders – teilweise fast 10 Stunden am Stück. Außerdem waren wir oft und gerne feiern – auch in lauten Clubs. Eine gefährliche Mischung. Und plötzlich war der Tinnitus da – seitdem ist er auch geblieben.

    Zum Glück ist er bei mir so leise, dass ich ihn nur in Ruhephasen höre. Meist nehme ich ihn nicht oder nicht als störend wahr. Deshalb konnte ich mich recht leicht mit ihm anfreunden. Was Du in Deinem Artikel schilderst, ist mir glücklicherweise vollkommen erspart geblieben. In der ersten Zeit habe ich es noch mit Akkupunktur probiert, aber das hat keine Veränderung gebracht.

    Ähnlich wie bei Dir begleitet mich der Tinnitus nun als mein persönliches Frühwarnsystem: Nehme ich ihn beim Einschlafen abends im Bett (als störend) wahr, weiß ich spätestens, dass mein Stresslevel (viel) zu hoch ist.
    Leider fällt es mir jedoch im alltäglichen Trubel oftmals schwer, entsprechend gegenzusteuern. Auch hier hat mich Dein Artikel nachdenklich gemacht: Denn obwohl ich schon mehrfach selbst gespürt habe, wie gut mir z.B. die Muskelentspannung nach Jacobson tut, schaffe ich es nicht, solche meditativen Übungen regelmäßig in meinen Alltag zu integrieren. Aber es ist bekanntlich nie zu spät… 😉

    Alles Gute und beste Grüße
    Michael – Herr M21er

    1. Hallo Michael,

      ganz lieben Dank für Deinen Kommentar! Gut, dass Du den Tinnitus auf Deine Weise so ziemlich im Griff hast.

      Was die meditativen Übungen angeht: Da ist es in der Tat schwer das neben Arbeit und Familie konsequent umzusetzen. Ich versuche mir wenigstens eine halbe Stunde am Tag dafür zu nehmen. Bei Dienstreisen ist aber auch das oft nicht möglich.
      Dass ich damals die Zeit dazu hatte, gab mir die Chance herauszufinden wie stark unser Geist sein kann – und diese Stärke zu nutzen, dafür ist es in der Tat niemals zu spät!

      Viele Grüße
      Frank

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