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Jobwechsel Möglich Machen: Vier Tipps Für Weniger Anhaftung An Besitz

Jobwechsel möglich machen: Vier Tipps für weniger Anhaftung an Besitz

Wir geben Besitz nicht gerne auf – selbst dann nicht, wenn wir das für eine lang ersehnte berufliche Neuorientierung vielleicht tun müssen. Erfahre wie du dich von der Anhaftung an Besitz frei machst und dir damit neue Möglichkeiten erschließt.

Der Sportwagen, die Harley, das Opern-Abo, der Urlaub auf den Malediven. Wir haben viel gearbeitet, um uns ein bisschen was zu gönnen. Doch was passiert, wenn ich im Job nicht die Erfüllung finde, die ich suche, und ich eine Neuorientierung ins Auge fasse?

Vielleicht muss ich mich dann damit abfinden, auf das ein oder andere liebgewonnene Ding zu verzichten. Da wir immer auf die schnelle Bedürfnisbefriedigung ausgerichtet sind fällt es uns aber extrem schwer, den Sportwagen für die vage Versprechung von mehr dauerhafter Zufriedenheit in der Zukunft zu verkaufen.

Dabei ist Besitz nichts grundsätzlich Schlechtes, für sich genommen ist er einfach neutral. Wie immer im Leben ist es unsere Einstellung dazu, die problematisch ist. Im Falle von Besitz ist es die Anhaftung, die uns das Leben schwer machen kann. Doch was bedeutet Anhaftung an Besitz überhaupt?

Starke Wünsche erzeugen ein Gefühl des Mangels wo keiner ist

Bleiben wir bei dem Sportwagen als Beispiel. Solltest du keinen haben, wähle in Gedanken ein anderes liebgewonnenes Ding, das du nicht hergeben willst.

Wahrscheinlich hast du dir irgendwann in der Vergangenheit das Ziel gesetzt, ihn dir mal leisten zu können. In der Folge hast du dafür hart gearbeitet, bis du ihn dir schließlich gegönnt hast.

Je nachdem wie sehr du dich in diesen Wunsch verbissen hast, kann es sein, dass du es in der Zeit vor dem Kauf tatsächlich schon als Mangel empfunden hast, diesen Wagen noch nicht haben zu können – obwohl es dir natürlich auch ohne ihn schon sehr gut ging.

Das ist der Anfang der Anhaftung.

Du möchtest in deinem Berufsleben etwas verändern, kannst aber schlecht loslassen? Ich helfe dir.

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Als du ihn dann hattest, war er für dich viel mehr als nur ein Sportwagen. Er war das Symbol deines erreichten Ziels, er wurde dein „extended self“, eine künstliche Erweiterung deines Selbst.

Du hast ihn nicht nur in die Garage gestellt, nur bei gutem Wetter ausgefahren und nur die teuerste Politur benutzt, sondern musstest nun auch weiterhin gut verdienen, um dir Versicherung, Steuern und die sündteuren Inspektionen leisten zu können.

Das ist der Punkt, an dem der Sportwagen beginnt, dich zu besitzen.

Alles ist vergänglich*, besonders ein Sportwagen

Nun kommt es, wie es im Leben eben kommen muss: Oma Erna fährt ihren weinroten Golf Plus mit voller Wucht in den Kofferraum deines geliebten Sportwagens. Totalschaden.

Jetzt ist der Moment, wo sich die Spreu vom Weizen trennt: Rammst du Oma Erna verbal ungespitzt in den Boden, weil sie das hart erarbeitete Symbol deines Erfolgs in einen Haufen nutzloses Blech verwandelt hat?

Oder bleibst du cool, rufst die Versicherung an, bestellst dir einen Leihwagen und machst einen Termin bei deinem Händler, um einen neuen Wagen zu bestellen?

Reagierst du wie im ersten Beispiel, ist das Auto für dich nicht nur ein Auto. Oma Erna hat jetzt auch einen Teil von dir kaputt gefahren, was dir sehr viele negative Emotionen und Aufregung einbringt.

Du kannst den Wagen nicht loslassen – und wenn du es musst, ist es mit großen Schmerzen verbunden.

Beraube dich nicht deiner Möglichkeiten, weil du Dinge nicht loslassen kannst

Tritt dagegen der zweite Fall ein, darfst du dich glücklich schätzen: Das Auto ist für dich einfach nur ein Auto. Du verstehst, dass es kaputt gehen oder zu Schrott gefahren werden kann und kannst es im Falle des Falles loslassen, ohne dass es dir Schmerzen bereitet.

Wir müssen verstehen, dass alle Dinge vergänglich sind und uns deshalb kein Objekt dauerhafte Freude bereiten wird. Das Problem dabei ist nicht, dass die Dinge vergänglich sind, sondern dass wir sie nicht nur für beständig, sondern sogar für einen beständigen Quell der Freude halten.

Aufgrund dieses Irrtums stellen wir wirklich dauerhaft befriedigende Dinge, wie z.B. einen entspannteren Job, durch den wir mehr Zeit für die Familie hätten, hinter diese vergänglichen materiellen Freuden zurück.

Und so drehen wir uns immer wieder im Kreis, dürsten nach dem nächsten Ding, das uns befriedigen soll, und stellen schon bald fest, dass wir wieder nur Salzwasser getrunken haben.

So vermeidest du Anhaftung an Besitz und schaffst dir mentale Freiräume für wirklich Wichtiges

  1. Wann immer du einen Mangel verspürst, frage dich intensiv, ob dieser Mangel wirklich real ist. Wenn man in Deutschland lebt, wird es sich in 99,9 Prozent der Fälle um keinen echten Mangel handeln, sondern der Mangel entsteht aus einem zu starken Wunsch nach etwas oder durch den Vergleich mit anderen oder weil der Mangel, z.B. durch Werbung, künstlich erzeugt wurde.
  2. Bevor du dir einen Wunsch erfüllst, denke darüber nach, was du dir wirklich davon versprichst. Bedenke alle Folgekosten, Sorgen, Verlustängste und bewerte dann, ob der Wunsch es wirklich wert ist, erfüllt zu werden.
  3. Übe das Loslassen von Besitz. Gebe regelmäßig etwas davon ab, spende Sachen oder Geld. Je öfter du das tust, desto leichter fällt es dir, dich von Besitz zu trennen, keinen neuen anzuhäufen und an neuem Besitz nicht mehr anzuhaften.
  4. Mache dir bewusst, dass alles vergänglich ist und nichts Bestand hat. Dinge werden alt, gehen kaputt oder werden zerstört. Menschen sterben oder wenden sich ab. Denke noch weiter: Die ganze Erde, auch unser Sonnensystem, sogar das Universum wird irgendwann vergehen, nichts exitsiert für die Ewigkeit. Diese Sichtweise lässt einen viel entspannter mit Wünschen und Besitz umgehen.

 

*Im Buddhismus kennt man die „drei Daseinsmerkmale“ (Dukkha, Anicca, Anatta). Anicca besagt, dass alles vergänglich ist und nichts von Bestand. Daher führt die Anhaftung an Dingen unweigerlich zu Leid.

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